EZB: War das jetzt die Zinswende?

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Angesichts des hohen Tempos, das die US-Zentralbank Federal Reserve bei ihrer Zinspolitik vorgelegt hat, stellte sich die Frage, ob ein Teil dieser amerikanischen Zinswende nun auch nach Europa herüberschwappen könnte. In den USA hatte die Fed den Leitzins zuletzt um 0,25 Prozentpunkte auf 2 Prozent angehoben, die Rendite für zehnjährige amerikanische Staatsanleihen stieg kurzfristig sogar auf über 3 Prozent.

UBP-Volkswirt Olivier Arpin zufolge hat die gute US-Konjunktur die Fed zu diesem Schritt ermutigt: „Der Ausschuss spricht nun von einem soliden, statt wie bislang von einem moderaten Wachstum. Hinzu kommen Prognosen fallender Arbeitslosenraten, von 3,6 Prozent im vierten Quartal bis 3,5 Prozent“, so Arpin.

Fed legte vor EZB zog nicht nach

Einen Tag nach der Fed-Entscheidung setzten sich auch die EZB-Entscheider zusammen. Doch trotz vergleichbar guter Konjunkturdaten wie in den USA fiel das Ergebnis der EZB-Sitzung weitaus ambivalenter aus. Wie vom Markt erwartet, soll das Anleihenankaufprogramm schrittweise eingestellt werden. Diese unter dem Begriff „Quantitative Easing (QE)“ bekannte Maßnahme diente ohnehin nur als ein alternatives Hilfsmittel zu nicht mehr darstellbaren weiteren Zinsänderungen und könnte so als zaghaftes Signal für eine Zinswende interpretiert werden.
Doch Marktkenner sind hier skeptisch: „Mit der Aussage, die Leitzinsen bis nach dem Sommer 2019 auf den historischen Niedrigständen zu halten, hat die EZB jegliche Fantasie einer früheren Zinserhöhung aus dem Markt genommen. Das war überraschend und vom Markt nicht erwartet“, sagt beispielsweise Garland Hansmann, Portfoliomanager bei Investec Asset Management.

Hohes Konfliktpotenzial in Europa

Wie lassen sich solche unterschiedlichen Maßnahmen bei ähnlichen Konjunkturentwicklungen erklären? Hier kommt die Politik ins Spiel. Die Fed blende bewusst eventuelle politische Risiken aus, stellte UBP-Volkswirt Arpin fest. Die Anhebungen des US-Leitzinses müssen also vor dem Hintergrund des Blickes durch die rosarote Brille betrachtet werden. Im Gegensatz dazu stehen die EZB-Ankündigungen eindeutig vor dem Hintergrund zahlreicher ökonomischer und politischer Krisen und Konflikte in Europa: Ob Staatsschuldenkrise in Griechenland, Brexit, Katalonien, die Zunahme populistischer Bewegungen oder der unsichere Nachbar Russland: Das Konfliktpotential ist verglichen mit den USA hoch. Zuletzt hat die schwierige Regierungsbildung aus Links- und Rechtspopulisten in Italien für ernste Minen auf dem Kapitalmarkt gesorgt: „Die jüngsten Entwicklungen in der italienischen Politik und bei den Kursen am Kapitalmarkt stellen eindeutig neue Risiken für die Aussichten der Eurozone dar“, ist auch Adrian Hilton, globaler Leiter des Bereichs Zinsen und Währungen bei Columbia Threadneedle Investments überzeugt.

Zinsen bleiben im Keller

Deutsche Anleger können also davon ausgehen, dass die Zinsen in Europa mittelfristig niedrig bleiben werden, während sie in den USA weiter ansteigen werden, eine Entwicklung, die Arpin als „Dichotomie“ bezeichnet. Eigenheimbesitzer können also aufatmen, da Immobilienfinanzierungen auch weiterhin erschwinglich sein dürften, während klassische Sparprodukte auch weiterhin unter Druck bleiben. Dies gilt für Tages- und Festgeld ebenso wie für Sparbücher und Lebensversicherungen, bei denen auch weiterhin keine Anhebung des Garantiezinses, der zuletzt massiv gesenkt worden ist, in Sicht ist. Versicherer können nur dauerhaft bestehen, wenn sie einerseits weiter an innovativen Produktlösungen arbeiten und andererseits weiter Kosten, zum Beispiel im Vertrieb kürzen. Beides könnte jedoch eine gute Chance für InsurTechs darstellen, weiter Marktanteile zu gewinnen.

Wo noch Rendite möglich ist

Risikoaffinen Anlegern ist bei dieser Gelegenheit einmal mehr der Blick auf den Aktienmarkt anzuraten. Nur hier lassen sich noch Renditen im Bereich zwischen 5 bis 9 Prozent erwirtschaften; in Emerging Markets mitunter sogar zweistellig. Die Aktienindizes entwickelten sich zuletzt positiv – auch dies ist ein Zeichen der guten Konjunktur. Wer also von der Weltkonjunktur profitieren will, kommt derzeit nicht an Aktienfonds vorbei.

2018-06-25T12:54:20+00:0025. Juni 2018|Uncategorized|